Wie Sehen und Wahrnehmen funktionieren

AugeJedes Mal, wenn wir mit einem Gegenüber konfrontiert werden, richtet sich unser Aufmerksamkeitsfokus darauf. Dabei werden im Gehirn Repräsentationen (Erinnerungsbilder) aus der Vergangenheit wiederbelebt, wo implizite und explizite Gedächtnisinhalte wieder Eingang ins Arbeitsgedächtnis im Präfrontalen Cortex finden.

Hier handelt es sich um Eindrücke, welche unsere fünf Sinne während vergangener Episoden unseres Lebens im impliziten und expliziten Gedächtnis festgehalten haben.

Im Arbeitsgedächtnis entsteht so ein Vorgang, der vergangene Erinnerungen mit dem neuen Input abgleicht, d.h. dass die Essenz aus den alten Erinnerungen sofort präsent ist und mit den neuen Inhalten verquickt wird.

Implizites Gedächtnis:

Hierbei handelt es sich um ein Meer von Eindrücken von allen fünf Sinnen wie: sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen. Jedoch gelangen nur jene Aspekte ins Bewusstsein, die unser Arbeitsgedächtnis jeweils zum neuen Input auswählt. Sie bilden sozusagen die emotionale „Begleitmusik“ zum neuen Input.

Explizites Gedächtnis:

Deklaratives-semantisches und episodisches Gedächtnis. In diesen Gedächtnisspeichern ist all das Wissen, mit dem wir im Leben konfrontiert wurden und wie es uns beim Einspeichern dabei erging, abgelegt.

Antonio Damasio schreibt in seinem Buch „Selbst ist der Mensch“ (München, 2010) auf Seite 145 f dazu:

„Was wir von unserer Begegnung mit einem bestimmten Objekt in Erinnerung behalten, ist mehr als eine visuelle Struktur, die in den optischen Bildern der Netzhaut festgehalten wurde. Darüber hinaus sind weitere Dinge erforderlich: erstens die sensomotorischen Muster, die mit dem Anblick des Objekts einhergehen (beispielsweise Augen- und Halsbewegungen, gegebenenfalls auch Bewegungen des ganzen Körpers), zweitens das sensomotorische Muster, das gegebenenfalls mit dem Berühren des Objekts und dem Hantieren mit ihm verbunden ist, drittens das sensomotorische Muster, das sich aus dem Heraufbeschwören früher erworbener, mit dem Objekt zusammenhängender Erinnerungen ergibt, und viertens die sensomotorischen Muster, die andere auf das Objekt bezogene Emotionen und Gefühle auslösen.

Was wir normalerweise als Erinnerung an ein Objekt bezeichnen, ist in Wirklichkeit die zusammengesetzte Erinnerung an die sensorischen und motorischen Abläufe, die sich auf die Wechselwirkungen zwischen dem Organismus und dem Objekt beziehen und sich während eines gewissen Zeitraums abspielen … Unsere Erinnerungen an bestimmte Objekte werden von früher erworbenen Kenntnissen von vergleichbaren Objekten beeinflusst oder von Situationen, die der, welche wir gerade erleben, ähneln. Unsere Erinnerungen sind von unserer persönlichen Vorgeschichte geprägt.“

Herzlichen Dank an unsere liebe Freundin Helma Jacoby für die Ausarbeitung dieses Textes

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